Der amerikanische Weg … ist auch nicht einfach

Wenn ich mir amerikanische Woodworker-Videos anschaue, werde ich manchmal depressiv. Nicht weil die teilweise eine riesige Werkstatt haben, sondern weil die in kurzer Zeit ihre Projekte „abschließen“. Sicherlich kann man sich nun streiten wann ein Werkstück „als fertig“ zu betrachten ist … ist es erst fertig wenn die Oberfläche gemacht wurde (lackieren / ölen) oder wenn die Montage fertig gestellt wurde ?

Aber davon rede ich hier nicht.
Auch in Amiland dauert das Finish sehr lange … Lacke und Öle wollen trocknen und müssen geschliffen werden … das dauert halt eine Weile. Was ich meine, ist die eigentliche Montage des Werkstückes … und die geht bei einigen Woodworkern Rucki-Zucki.

Mir ist das erst letztens wieder aufgestoßen: Ich habe eine einfache Kiste mit Klappdeckel gebaut. Ich hatte dazu einfaches Fichtenleimholz aus dem Baumarkt genommen (ja dieses krumme Zeug was man hinterher-geschmissen bekommt) – zum einem billig und zum anderen recht leicht.
Eine einfache Kiste: 4 Seiten + 1 Deckel + 1 Boden. Ich hatte keinen Rechteckstab zur Hand – andernfalls hätte ich das einfach verschraubt.
Also die klassische Variante: Flachdübel – geht mit der Maschine sehr schnell und man hat beim Zusammenbau leichte Toleranzen.
Der Zuschnitt (ja es ist nicht einfach aus einem harzigen und krummen Stück was raus zuschneiden) und auch das einfräsen der Flachdübel-Nuten ging sehr schnell … aber dann kam das Verleimen. Alle meine Korpuszwingen waren im Einsatz und ich musste jetzt erst mal bis zum nächsten Tag warten bis der Leim getrocknet ist. Dummerweise war das ein Sonntag und ich musste bis Montag warten … denn am Sonntag ist das mit der Flachdübelfräse eine sehr schlechte Idee. Erst dann konnte ich die Scharniere einfräsen (Lamello Duplex) – ein Vorgang von nicht mal einer Minute.
Wenn ich eine zweite Kiste (oder eine Schublade) bauen wollte, könnte ich das aus Mangel an Zwingen auch nur hintereinander machen. Zumal ich das Werkstück erst nach dem Aushärten des Leim „transportiere“ (nicht das sich die Winkel ändern).
Sprich eine Box am Tag. Wenn man bedenkt das ich nur am Samstag Zeit für so etwas habe … kann man sich ganz leicht ausrechnen wie viele Wochen für so etwas verschwendet werden. Und hierfür möchte ich eine Lösung haben.

Was machen die meistens Amis anders ? Ganz einfach: Sie nutzen andere Befestigungsarten !
Zum einem wird dort viel mit Pocket-Holes gemacht und wenn das nicht reicht, kommt die Nagelpistole zum Einsatz.
Mit der Nagelpistole hätte ich teilweise meine Probleme, da man Flächen unter Umständen noch mal hobeln möchte .. und ein Hobeleisen und ein Drahtstift sind keine gute Kombination. Aber die Pocket-Holes sind meines Erachtens einen Blick Wert.
Ich habe mir dann nach einigen Recherchen ein solches System gekauft: Kreg Master System K4M
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Als erstes habe ich dann an einem Reststück „geübt“:
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Bei der Montage ist es wichtig das die Werkstücke verspannt werden. Andernfalls zieht die Schraube das Werkstück etwas aus der Position.
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Das Ergebnis hat mich positiv gestimmt. Im demontierten Zustand erkennt man , das die Schrauben schön tief gehen.
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Nachdem das geklärt war, ging es an ein reales Projekt: Wieder eine Box. Diesmal aus Sperrholz (12mm). Das Bohren ging problemlos. Bei der Montage war dann schon etwas mehr Know-How gefragt, damit das Werkstück rechtwinklig gespannt war.
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Aber das Ergebnis war sehr schlecht. Eine Schraube ist aus der Kante raus gekommen.
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Das lag wahrscheinlich an der Schraubenlänge. Laut Tabelle sind sowohl Schrauben mit der Länge von 1″ als auch 3/4″ für diese Materialstärke geeignet. In dem Set waren aber nur 1″ lange Schrauben … und die scheinen nicht optimal zu sein.
Ich muss das später nochmal an 12 mm Restholz ausprobieren. Da ich mit der Box weiterkommen wollte und es zudem Sonntag war, habe ich den Rahmen gedübelt und dann gespannt. Hier sieht man dann schön die verspannte Situation:
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